Mittwoch, 6. August 2008

Strudlhofstiege wird wieder - alt

Wien - Ab Anfang August beginnen auf der Strudlhofstiege die
Instandsetzungsarbeiten an der historischen Stiegenanlage. Wesentlich
dabei ist, dass das Motto dabei lautet: Altes Aussehen - moderne
Technik. Die fast 100 Jahre alte Stiege soll behutsam ins
21.Jahrhundert geholt werden. Aus diesem Grund ist die MA 29 -
Brückenbau und Grundbau mit der historischen Instandsetzung betraut.
In fachlich-wissenschaftlicher Sicht wird das Büro von Prof. Manfred
Wehdorn diese Arbeiten begleiten. Alle Maßnahmen sind dabei mit der
MA 19 - Architektur und Stadtgestaltung und dem Bundesdenkmalamt
abgestimmt.

Wesentlich ist, dass während der gesamten Bauzeit die Stiege
auch mittels provisorischer Stiegenlösungen immer begehbar bleibt. Es
wird zwei Bauphasen geben. Die Erste von Juli bis Dezember 2008 wird
den unteren Bereich umfassen, ab Frühjahr bis Spätsommer 2009 den
oberen Abschnitt. Eine neue Bepflanzung inklusive automatischer
Beregnungsanlage kommt nach Abschluss der Bauarbeiten.

Von der Grundsubstanz ist die Anlage in Ordnung, aber seit der
letzten Instandsetzung vor rund 24 Jahren hat das Gesamtbauwerk unter
den Umwelteinflüssen gelitten. Die Arbeiten beschränkt sich vor allem
auf den Stein- und Metallbestand inklusive der Kandelaber. Die nicht
historischen Kugellampen werden gegen "Maiglöckchenlampen" ersetzt.
Die Anlagen der beiden Brunnen werden ebenso neu hergestellt. Die
störenden und desolaten Asphaltflächen weichen einer spezielle
Betondecke mit rutschsicherer Waschbetonoberfläche ausgetauscht, die
sich an der historischen Bausubstanz orientiert.

Zum historischen Bauwerk

Die Stiege ist aus Mannersdorfer Kalkstein erbaut. Die Anlage
wird von einem zweigeteilten Beckenwandbrunnen geschmückt. Am unteren
Ansatz führen zwei geschwungenen Stiegenläufen zum oberen Becken.
Dieses wird von einer Kopfmaske als Wasserspeier an der Stiegenwand
geschmückt. Auf dem ersten Treppenabsatz befindet sich eine
mosaikverkleidete Nische mit einem Fischmaul als Wasserspeier.
Mittels dreier Rampen wird der Höhenunterschied von rund 11 Metern
zwischen der Strudelhofgasse und der Bolzmanngasse überwunden.

Der Namensgeber Peter von Strudel

Die Strudlhofstiege erinnert an den Hof- und Kammermaler Peter
von Strudel. Er wurde um 1660 in Cles (Trentino, Italien) geboren und
starb am 4. Oktober 1714 in Wien. Er errichtete 1690 den Strudelhof
und wurde später zum Direktor der Kunstakademie gewählt. Sein Werk
als Bildhauer und Maler bildet in Österreich den Übergang zum
Hochbarock. Wie es sich für Wien so gehört, ging im Laufe der Jahre
ob der akustischen Vereinfachung das "e" im Namen von Strudel
verloren. Heute lautet daher die veritalble Frage - Studel oder
Strudl, die unbeantwortet bleiben muss.
Die Strudlhofstiege im 9. Bezirk verbindet die tieferliegenden
Bezirksteile über Strudlhofgasse und Liechtensteinstraße mit den
höherliegenden Teilen bei der Bolzmanngasse und Währinger Straße.
Erbaut wurde sie nach einem Entwurf von Johann Theodor Jaeger, der
als Brückenbautechniker in der damaligen Stadtbaudirektion seinen
Dienst versah. Am 29. November 1910 wurde die Stiege zur Benützung
freigegeben.